Der achtjährige Fred verkündet Sonntagabend: “Heute putze ich keine Zähne!” Die Mutter erinnert ihn: “Denk dran, Montag ist Therapie. Auf dem Hinweg dürfen Anne und du eine Schnecke vom Bäcker holen. Wer seine Zähne nicht geputzt hat, darf nichts Süßes essen!” Fred ist schlecht gelaunt. Was morgen passiert, interessiert ihn jetzt nicht. Trotzig geht er mit ungeputzten Zähnen zu Bett. Montag wird Fred wie üblich von Mutter und Schwester zur Therapiestunde begleitet. Die sechsjährige Anna futtert genüsslich ihre Zuckerschnecke. Die Mutter sagt zu mir: “Fred ist heute schlecht drauf” und berichtet mir das Drama vom Zähneputzen. Fred ist bereits grußlos an mir vorbei in den Therapieraum geflitzt, sitzt dort und starrt vor sich hin. Während er sonst gut mitarbeitet und später eigene Vorschläge machen darf, ist es heute schwierig, ihn aus seiner Blockade herauszuholen. Da er sein Bauwerk vom letzten Mal nicht wiederfindet, beschimpft er mich, dass ich dieses nicht aufgehoben habe. Ich bemühe mich, verständnisvoll auf seinen Ärger einzugehen. Allmählich gelingt es mir, ihn für kreatives Tun zu gewinnen. Doch ich muss unbedingt mit seiner Mutter sprechen. Gut, dass ich gerade für morgen mit ihr einen Termin vereinbart habe. Freds Mutter ist besonders aufgeschlossen und möchte einen guten Umgang mit ihren Kindern lernen. Die Strafe für die nicht geputzten Zähne hatte sie angekündigt und meint, sie habe sich konsequent verhalten. Die Reaktion von Fred macht sie ratlos. Leider ist die verhängte Konsequenz unverhältnismäßige und unpassend für ein Kind, dass sich gerade in Schwierigkeiten befindet. Verständlich, dass Fred sich unfair behandelt fühlt und mit seinem Frust überall aneckt. Das Geschehen werde ich morgen mit der Mutter ausführlich erörtern. [Mehr]