Archive for the ‘nicht kategorisiert’ Category

Der Ton macht die Musik

Freitag, Juli 15th, 2011

Hans wünscht sich zu seiner 3 1/2 jährigen Tochter Emma eine gute Beziehung. Am Wochenende hat er Zeit. Doch da gibt es manchmal Kummer. Er fragt sich:”Was mache ich nur falsch? Ich kann Emma doch nicht alles durchgehen lassen!” Ich lasse ihn eine konkrete Situation schildern. Er berichtet:”Emma hat ihre neuen Buntstifte in der Hand und ist gerade im Begriff an der Tapete zu malen. Ich rufe laut: ´Das darfst du nicht, die Tapete wird schlecht, du hast doch einen Malblock!´ Emma heult sofort los und flüchtet zu ihrer Mutter.” Ich bitte Hans, sich zu überlegen, wie ein solches autoritär ausgesprochenes Verbot bei einem kleinen Kind ankommt. Ihm wird klar, dass Emma, beglückt über die bunten Stifte, sich aufs Malen freut. Der energische Ton des Vaters hat sie vermutlich erschreckt und ihr Angst eingeflößt. Statt sich um eine heile Tapete zu sorgen, will Hans jetzt lernen, verständnisvoll auf Emma einzugehen. Er kann ihr Interesse von der Tapete weg auf den Malblock lenken und sie bitten, diesen mit ihm zusammen zu holen. Beim Malen kann er ihr zuschauen oder mit ihr zusammen etwas kreieren. Anschließend können sie gemeinsam einen Platz an einer Tür finden, wo sie die Malerei befestigen und immer wieder anschauen können. Nach diesem fröhlichen gemeinsamen Tun kann er Emma erklären, dass dieser Platz für Gemälde besser ist als die Tapete, die geschont werden muss. Diese Mitteilung, in einem festen aber freundlichen Ton ausgesprochen, wird ohne unnötigen Kummer wirken.  Und Vater und Tochter haben Spaß mit einander gehabt und von einander gelernt.

Will mein Kind mich ärgern? Habe ich das verdient?

Montag, Juni 13th, 2011

Der Zufall will, dass ich bei einem Telefonanruf die Mutter von Rita erreiche. Offenbar hat sie auf diese Gelegenheit schon gewartet. Sie ist über einen Konflikt zwischen Vater und Tochter beunruhigt. Ihr Mann hat einen anstrengenden Beruf. Abends möchte er gerne von seiner kleinen Tochter begrüßt werden. Doch was ist mit Rita los? Sie läuft einfach weg, wenn sie den Papa sieht. Dieser ist gekränkt und zieht sich schmollend ins Schlafzimmer zurück. Will Rita den Vater wirklich ärgern? Sicherlich nicht. Leider hat der STEP-Elternkurs noch nicht begonnen, sonst wüsste der Vater mehr darüber, was in seiner kleinen Tochter vor sich geht. Kinder sind keine Verstandesmenschen. Sie leben im Augenblick und verfolgen ihre eigenen Ziele. Auch mögen sie gerne spaßen und lachen. Ich schlage der Mutter vor, dass der Vater es mal mit einem Versteckspiel versucht, hinter Rita her läuft, sie erhascht und mit ihr schäkert. Bald wird der Vater merken, wie lustig es ist, selbst wieder in eine Kindrolle zu schlüpfen. Und beide werden sich auf die abendliche Begrüßung freuen. - “Tue das Unerwartete!” ist eine der vielen hilfreichen Methoden nach STEP.

Kann mein Kind entscheiden?

Samstag, April 16th, 2011

Anne ist 4 Jahre alt und seit 1,5 Jahren tagsüber trocken. Mit ihrem ständigen Betteln hat sie erreicht, dass ihre Mutter endlich mit ihr für die Osterdekoration einkaufen will. Sie kann es kaum erwarten, dass sie losgehen. Mamas Frage:”Musst du noch mal aufs Klo?” beantwortet sie ungeduldig: “Nein, ich muss nicht!” Und bald sind sie im Supermarkt bei all dem lustigen Osterschmuck. Doch da meldet sich ihre Blase und Anne stöhnt: “Mama, ich muss mal!” Frau Leichtfuß (Name geändert) ist genervt: “Hier ist keine Toilette, du musst jetzt aushalten, bis wir Zuhause sind!” Doch das geht nicht und es passiert, was nicht passieren darf! Das ist Frau Leichtfuß sehr peinlich. Ärgerlich flüchtet sie mit Anne aus dem Supermarkt nach Hause. Wenigstens schafft Frau L. es, sich zusammen zu nehmen und ihren Unmut nicht an Anne auszulassen. Sie ruft ihren Mann an, der verständnisvoll auf sie eingeht und ihr rät, 10 mal tief durchzuatmen, sich abzulenken und sich zu beruhigen.

Wie konnte das Missgeschick passieren? - Nur zu leicht vergessen wir, dass Kinder keine Erwachsene sind. Kinder leben in einer anderen Welt und verfolgen ihre Ziele. Nachdenkliches Planen ist nicht ihre Sache. Sie leben im Augenblick und in der Vorfreude. Wohl können wir Kinder zwischen zwei Dingen wählen lassen, die keine Probleme nach sich ziehen, z.B. die Entscheidung zwischen einem blauen oder roten Pullover, nicht aber zwischen einer dünnen Bluse und einem Pullover.

Wie lassen sich Konflikte vermeiden? [Mehr]

Ein Elefant im Porzelanladen

Mittwoch, April 13th, 2011

Eine Mutter bittet mich um Hilfe: “Mein zwölfjähriger Willi hat Angst vor mir. Ich schreie ihn oft an, wenn er nicht das tut, was ich will. Neulich hat er sich in sein Zimmer verkrochen und seine große Schwester angerufen. Ich schäme mich so, denn in meiner Wut habe ich ihm eine Ohrfeige verpasst, obwohl ich es hasse, Kinder zu schlagen.” Ich stimme der Mutter zu: “Sie haben Recht, Kinder zu schlagen ist schlimm, denn geschlagene Kinder fühlen sich minderwertig und wollen sich rächen. Sie werden ebenfalls zu Schlägern! Doch schon das Anschreien ist problematisch, weil Sie sich in ihre Wut hinein steigern. Das ist wie Öl ins Feuer zu gießen!” Die Mutter versucht, sich zu rechtfertigen: “Bisher habe ich geglaubt, man müsse den Dampf ablassen.” “Diese Theorie haben leider auch Psychologen vertreten” pflichte ich ihr bei. “Doch heute weiß man es besser.” [Mehr]

Die Töpfchen-Arie

Montag, April 4th, 2011

Wie es der jetzt dreijährigen Rita geht, möchte ich bei jedem Treffen vom Vater erfahren. Gestern berichtete er vom jüngsten Drama: “Ich habe irgendwo gehört, man solle kleine Kinder eine halbe Stunde nach der Malzeit aufs Töpfchen setzen. Ich dachte mir `warum nicht gleich auf die Toilette, dann kann Rita nicht alleine aufstehen.´ Ich habe ihr eine Geschichte vorgelesen. Während der erfolglosen Sitzung hat sie dreimal die Spülung betätigt. Als mir das schließlich zu bunt wurde, habe ich Rita heruntergehoben. Doch da hat sie sofort ins Badezimmer gepinkelt und eine schöne Bescherung angerichtet. Sie können sich vorstellen, wie wütend ich war!” [Mehr]

Maximilian will Papa werden

Sonntag, April 3rd, 2011

Das Buch “Maximilian will Papa werden”  (Näheres dazu unter www.kinder-hh.de)  habe ich für Kinder und ihre Eltern geschrieben. In Begleitung von Maximilian kann man etwas darüber erfahren, wie hilfreich der Besuch von Elterntrainings ist. Maximilian ist glücklich, als er von einem Vater in Elternzeit erfährt, dass Eltern Erziehung lernen können und es dann viel weniger Streit in der Familie gibt. Tatsächlich gelingt es Maximilian, seine Mutter für den Besuch eines STEP-Elternkurses zu gewinnen. [Mehr]